Ein Projekt von Xheni Çuni

Verlust der Sehkraft kann in vielen Formen auftreten. Das Sehvermögen kann auf eine ganz spezifische Weise beeinträchtigt sein, die Betroffenen können völlig oder „nur“ teilweise erblinden. Einige verlieren die Sehkraft durch Krankheit, andere aufgrund eines Unfalls. Einige sind plötzlich betroffen, andere sukzessive im Laufe der Zeit. Manche kennen die sehende Welt, andere sind von Geburt an blind. Die individuelle Blindheitserfahrung eines Künstlers prägt grundlegend ihr Leben und damit auch ihre Werke.

Visuelle Kunst von Menschen, die nicht sehen können. Der Kern der Vorstellungsmöglichkeiten geht über die sichtbaren Dinge hinaus, sie betreffen alle Sinne. Sehbehinderte Künstler konstruieren ihre Arbeiten daher aus anderen Informationen, die ihnen zur Verfügung stehen. Sie verwenden Klang, Geruch, ihren Tastsinn und Geschmack und verlassen sich darauf. Die Intuition, ihr Gefühl und die Assistenz, teils auch Erinnerung spielen hierbei eine entscheidende Rolle. Vor allem die Haptik aber auch die anderen Sinne, versuchen den Verlust des Sehvermögens zu rekompensieren. Der kreative Prozess eines sehbehinderten Künstlers ist daher beeindruckend und im wahrsten Sinne des Wortes spürbar anders.

Es gibt keine Form von “blinder” Kunst oder Ästhetik, die Anspruch darauf erheben könnte, der sehenden Welt zu zeigen, wie die Nichtsehenden es sehen. Aber warum stellen blinde Person dennoch Arbeiten her, die sie selbst nicht sehen können?